Warum wir die neue Mehrheitsgruppe kritisch sehen.
Die Kommunalwahl 2026 hat die politischen Verhältnisse im Wangerland verändert. Doch mit der Bildung einer neuen Mehrheitsgruppe aus SPD, Pro Wangerland und Grünen stellt sich für uns die Frage, ob der Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger nach einem politischen Neuanfang tatsächlich ausreichend berücksichtigt wird.
Die Bürgerinnen und Bürger des Wangerlandes haben bei den Kommunalwahlen am 13. September 2026 ein deutliches Zeichen gesetzt, die CDU Wangerland ist als stärkste Kraft aus der Gemeinderatswahl hervorgegangen und konnte ihre Zahl der Ratsmandate von sechs auf acht erhöhen. SPD und Pro Wangerland mussten hingegen Stimmenverluste hinnehmen. Hinzu kommt das eindeutige Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl.
Für uns als CDU Wangerland sind diese Ergebnisse mehr als bloße Zahlen. Wir sehen darin einen klaren Wunsch vieler Menschen nach Veränderung, neuen Ideen und einem anderen politischen Kurs. Ein solcher Veränderungswunsch sollte nach unserer Auffassung auch Auswirkungen darauf haben, wie die politischen Kräfte künftig miteinander umgehen und zusammenarbeiten.
Neue Mehrheitsgruppe – aber welches gemeinsame politische Ziel?
Mit der Bildung einer Mehrheitsgruppe aus SPD, Pro Wangerland und Bündnis 90/Die Grünen wurden nun jedoch politische Mehrheitsverhältnisse geschaffen, die aus unserer Sicht Fragen aufwerfen. Besonders bemerkenswert finden wir, dass nach eigenen Aussagen der Beteiligten keine verbindlichen gemeinsamen Kernthemen festgelegt wurden, bei denen die Gruppe geschlossen eine bestimmte Position durchsetzen möchte.Zwar wurden verschiedene Aufgabenfelder für die kommende Ratsperiode benannt. Doch Aufgaben zu benennen, vor denen ohnehin der gesamte Gemeinderat steht, ist aus unserer Sicht noch kein gemeinsames politisches Zukunftskonzept.
Es stellt sich deshalb die Frage, was die drei Gruppierungen über den Wunsch nach einer gemeinsamen Mehrheit hinaus tatsächlich verbindet.
Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass bei dieser Gruppenbildung möglicherweise weniger gemeinsame politische Inhalte und Überzeugungen im Vordergrund stehen als vielmehr der Erhalt bestehender Positionen, politischer Einflussmöglichkeiten und Machtverhältnisse.
Gerade nach einem Wahlergebnis, das aus unserer Sicht einen deutlichen Wunsch nach Veränderung erkennen lässt, halten wir das für ein problematisches Signal.
Selbstverständlich respektieren wir das demokratische Recht jeder Fraktion und jedes Ratsmitglieds, Gruppen zu bilden. Niemand stellt die demokratische Legitimität einer solchen Entscheidung infrage.
Doch Demokratie erschöpft sich nicht darin, rechnerische Mehrheiten zu organisieren. Entscheidend ist, was mit diesen Mehrheiten politisch erreicht werden soll.
Was ist aus der angekündigten Aufarbeitung der Stimmenverluste geworden?
Besonders kritisch betrachten wir in diesem Zusammenhang die Rolle der Wählergemeinschaft Pro Wangerland. Bei der Kommunalwahl musste Pro Wangerland gegenüber 2021 einen Stimmenverlust von rund sieben Prozentpunkten hinnehmen. Der Vorsitzende Dieter Schäfermeier hatte daraufhin öffentlich angekündigt, die Ursachen dieses Vertrauensverlustes sorgfältig zu analysieren, selbstkritisch zu hinterfragen und Schlussfolgerungen für die zukünftige politische Arbeit daraus zu ziehen. Zugleich wurde betont, dass Pro Wangerland auch künftig unabhängig und sachorientiert handeln wolle. Diese Aussagen haben wir durchaus positiv zur Kenntnis genommen. Denn aus unserer Sicht gehört es zur politischen Verantwortung, nach einem solchen Wahlergebnis nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen.
Umso mehr stellt sich für uns jetzt die Frage:
Welche konkreten Erkenntnisse und politischen Konsequenzen hat Pro Wangerland aus dem Wahlergebnis gezogen?
Bislang ist jedenfalls öffentlich nicht erkennbar, dass die angekündigte Aufarbeitung zu einer grundsätzlichen Neubewertung der bisherigen politischen Zusammenarbeit geführt hat. Stattdessen wird die Zusammenarbeit mit der SPD fortgesetzt und nun durch die Grünen ergänzt.
Das kann man selbstverständlich so entscheiden. Es muss aber auch erlaubt sein, kritisch zu hinterfragen, ob eine solche Entscheidung dem zuvor angekündigten Anspruch der selbstkritischen Aufarbeitung gerecht wird.
Wenn nach deutlichen Stimmenverlusten und einer angekündigten politischen Selbstkritik am Ende vor allem die Fortsetzung bisheriger Mehrheitsverhältnisse steht, drängt sich für uns die Frage auf, ob die Antwort auf den Vertrauensverlust tatsächlich nur ein „Weiter so“ sein kann.
Eine Chance für einen wirklichen Neuanfang wurde nicht genutzt, stattdessen wurde die Möglichkeit genutzt, gemeinsam mit SPD und Pro Wangerland eine feste rechnerische Mehrheit zu bilden. Wir hätten uns an dieser Stelle mehr Offenheit für neue Formen der politischen Zusammenarbeit gewünscht. Denn gerade in einer Zeit, in der unsere Gemeinde vor erheblichen Herausforderungen steht, sollte nicht entscheidend sein, wer mit wem eine Mehrheit bildet, sondern welche Lösungen für die Zukunft des Wangerlandes gefunden werden.
Die CDU Wangerland hat deshalb bereits frühzeitig angeboten, die sach- und ergebnisorientierte Zusammenarbeit im Gemeinderat fortzuführen. Wir stehen für eine Ratsarbeit, in der unterschiedliche politische Auffassungen offen diskutiert werden und in der wechselnde Mehrheiten möglich sind. Dabei sollte stets die beste Lösung für unsere Gemeinde im Mittelpunkt stehen – unabhängig davon, aus welcher Fraktion ein Vorschlag kommt. Wir sind überzeugt: Eine solche Zusammenarbeit kann bessere Ergebnisse hervorbringen als feste politische Lager, die sich vorrangig über ihre Mehrheitsverhältnisse definieren.
Das Wangerland braucht Lösungen statt Machtfragen
Unsere Gemeinde steht vor großen Aufgaben. Die schwierige Finanzlage, die Folgen der Insolvenz der Wangerland Touristik GmbH, die wirtschaftliche Entwicklung, die Zukunft unserer Infrastruktur sowie die Entwicklung unserer Ortschaften verlangen verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Entscheidungen. Dafür brauchen wir sachliche Diskussionen, neue Ideen und die Bereitschaft, auch über Parteigrenzen hinweg gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Es darf nicht darum gehen, politische Positionen oder Einflussmöglichkeiten möglichst dauerhaft abzusichern.
Politische Verantwortung bedeutet für uns nicht, Mehrheiten zu besitzen, sondern mit guten Argumenten Mehrheiten für die richtigen Entscheidungen zu gewinnen.
Daran wollen wir uns messen lassen. Unser Angebot bleibt bestehen: Gemeinsam Verantwortung übernehmen, unabhängig von der jetzt gebildeten Mehrheitsgruppe wird die CDU Wangerland ihren konstruktiven Kurs fortsetzen. Wir werden auch weiterhin mit allen demokratischen Fraktionen und Ratsmitgliedern das Gespräch suchen und offen für gemeinsame Lösungen sein.
Die Entscheidung über eine feste Mehrheitsgruppe ist gefallen. Ob daraus tatsächlich neue politische Impulse entstehen oder lediglich bisherige Strukturen fortgeschrieben werden, wird sich an der konkreten Ratsarbeit zeigen müssen. Wir werden diese Arbeit kritisch, aber konstruktiv begleiten und unsere eigenen Ideen einbringen.
Denn unser Anspruch ist unverändert:
Die Menschen im Wangerland haben Veränderung gewählt. Wir wollen diese Veränderung in konkrete Ergebnisse übersetzen.
Ein wirklicher Neuanfang entsteht nicht allein durch neue Gesichter. Er erfordert auch die Bereitschaft, Gewohntes zu hinterfragen, alte politische Muster zu verlassen und neue Wege zuzulassen.
Nicht der Erhalt von Machtverhältnissen, sondern die Zukunft unseres Wangerlandes muss im Mittelpunkt stehen.
Dafür werden wir uns als CDU Wangerland einsetzen.
Christian Burchardt
Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Wangerland